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ADHS und Alexithymie bzw. Gefühlsblindheit

ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) und Alexithymie – die Schwierigkeit, Gefühle zu identifizieren und auszudrücken – kommen immer wieder gemeinsam vor. Diese Verbindung ist nicht zufällig, sondern steht im Zusammenhang mit den kognitiven und emotionalen Verarbeitungsweisen, die bei ADHS betroffen sind. Es gibt mehrere Gründe, warum ADHS und Alexithymie oft gemeinsam auftreten:



Neurobiologische Faktoren


Sowohl ADHS als auch Alexithymie werden mit Unterschieden in der Gehirnstruktur und -funktion in Verbindung gebracht. Bei ADHS sind Bereiche des Gehirns betroffen, die für Aufmerksamkeitskontrolle, Impulsivität und Emotionsregulation zuständig sind. Diese Bereiche überschneiden sich teilweise mit denen, die für die emotionale Selbstwahrnehmung wichtig sind, was erklären könnte, warum Menschen mit ADHS Schwierigkeiten haben könnten, ihre Emotionen zu erkennen und auszudrücken.


Emotionsregulationsprobleme stellen ein Herausforderung beim Verstehen von Gefühlen dar.


Emotionale Dysregulation


ADHS geht häufig mit emotionaler Dysregulation einher, was bedeutet, dass Betroffene Schwierigkeiten haben, ihre emotionalen Reaktionen zu steuern. Diese emotionale Dysregulation könnte eine Brücke zu Alexithymie darstellen, da beide Zustände mit einer beeinträchtigten Fähigkeit verbunden sind, Emotionen zu identifizieren, zu verstehen und darauf angemessen zu reagieren.


Kognitive Besonderheiten


Die eigene Unaufmerksamkeit wird zum Handicap.


Menschen mit ADHS zeigen oft kognitive Besonderheiten wie Aufmerksamkeitsschwächen und eine Neigung zu impulsivem Verhalten. Diese kognitiven Eigenheiten können die Verarbeitung und das Verständnis von Emotionen erschweren, was zu alexithymen Zügen führt. Die Schwierigkeit, Aufmerksamkeit auf interne emotionale Zustände zu richten, kann es für Menschen mit ADHS schwieriger machen, ihre eigenen Gefühle zu erkennen und zu benennen.


Soziale Interaktion und Lernen


Menschen mit ADHS können auch in sozialen Interaktionen herausgefordert sein, was das Lernen über emotionale Ausdrücke und das Verständnis von Gefühlen durch soziale Rückmeldungen beeinträchtigt. Dieses eingeschränkte soziale Lernen kann die Entwicklung von Alexithymie begünstigen, da die Fähigkeit, Emotionen zu identifizieren und zu kommunizieren, teilweise durch Interaktionen mit anderen geformt wird.


Rückzug aus sozialen Interaktionen


Ist es bedingt durch das ADHS oder Zufall?


Die Koexistenz von ADHS und Alexithymie ist wahrscheinlich bedingt durch die bei ADHS betroffenen neurobiologischen, emotionalen und kognitiven Prozesse. Die gemeinsame Prävalenz dieser Bedingungen ist daher eher eine Folge der grundlegenden Merkmale von ADHS als ein zufälliges Zusammentreffen. Verständnis für diese Verbindung kann zu gezielteren Therapieansätzen führen, die sowohl die Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsprobleme als auch die emotionale Verarbeitung bei Menschen mit ADHS adressieren.


Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ADHS und Alexithymie durch eine komplexe Wechselwirkung von kognitiven, emotionalen und neurobiologischen Faktoren miteinander verbunden sind. Diese Erkenntnisse unterstreichen die Bedeutung eines integrierten Therapieansatzes, der die gesamte Bandbreite der Bedürfnisse von Personen mit ADHS berücksichtigt.


Fotos Canva

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