Die psychoanalytischen Wirkfaktoren als wichtiger Begleiter in der Gesprächsführung

Was unterscheidet den guten Therapeuten von einem schlechten Therapeuten? Es sind oft nicht die erlernten Methoden sondern Faktoren wie Einfühlungsvermögen, Humor und Konfrontationsbereitschaft, die intuitiv eingesetzt werden. Sie gehören zu den psychoanalytische Wirkfaktoren, die schon von Sigmund Freud als wesentliche Bestandteile der Therapie postuliert wurden.


· Das klinische Sehen – der fremde Blick

· Der Freiraum im Reden – gleichschwebende Aufmerksamkeit

· Übertragung – Gegenübertragung

· Empathie – Konfrontation

· Holding und Containing

· Die Droge „Arzt“

· Wachsen an eigenen Fehlern und Grenzen

· Lachen und Humor


Die psychoanalytischen Wirkfaktoren können von den unterschiedlichsten Berufsfeldern nutzbar gemacht. Konkret gehören zu den Wirkfaktoren: „Der fremde Blick“, jeden Menschen stets „neu“ betrachten zu können und ihm mit stetiger Offenheit und Akzeptanz gegenüber zu stehen, auch Bekanntes als vollkommen Neues und Fremdes erleben zu können. „Der Freiraum im Reden und die gleichschwebende Aufmerksamkeit im Hören” sind weitere Wirkfaktoren, die dem Klienten ermöglichen sollen, frei und kreativ zu assoziieren und dem Therapeuten (Lehrenden), nicht-wertend zuzuhören. Die Phänomene „Übertragung/Gegenübertragung“ werden im beruflichen sowie privaten Alltag bewusst gemacht. Man sollte lernen, sich zwischen „Empathie und Konfrontation“ zu bewegen, sozusagen ein Pendeln zwischen mütterlicher Unterstützung, Wärme, Nähe und väterlicher Herausforderung und Distanz. „Holding und Containing“ beschreibt die Fähigkeit, die Gefühle der Klienten (des Gegenübers) zu kompensieren und auszuhalten. Es wird bewusst gemacht, dass schon allein die „Droge Arzt“ („Droge Therapeut“) oder „die therapeutische Präsenz“ eine Wirkung auf den Klienten hat. “Wachsen an den eigenen Fehlern und Grenzen”, aber auch „Lachen und Humor in der therapeutischen Beziehung” wird als wichtiger Aspekt der beruflichen und privaten Arbeit gesehen.


Die Wirkfaktoren sind keine Technik, die man im engeren Sinne erlernen müsste, sondern sie werden teilweise unbewusst im Alltag bereits eingesetzt, sie gehören zum Repertoire des Menschen. Durch Selbsterfahrungsprozesse, durch Erfahrung „am eigenen Leib“, werden sie erkannt, reflektiert und gestärkt.


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